Genieß es oder vergiss es!

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Karfreitag, eine kleine Rückblende

2. Apr 2010 Autor: schaezle | Abgelegt in: best before

Lang wars still, doch die Alte ist “wieder repariert” und kann an sich wieder mal etwas aus ihrem Leben ausplaudern.

Ich dachte daran, ob ich heute die 800 Gramm Rinderfilet zubereiten soll, die mein Kühlschrank für mich frisch hält und ob, wenn ich das am Karfreitag mache, die winzige Chance besteht, dass ich dafür in der Hölle brate. So bei 220 Grad, Umfluf, mit ständiger Beschallung von einerseits audiomedial dem Wendler und per riesigem Flatscreen dann noch Big Brother, GNTM und DSDS parallel, sonst herrscht Isolation, so stelle ich mir die wahre Hölle vor.

Dabei kam mir ein lustiger Gedanke von einem vergangenen Karfreitag, der in die Kategorie “best before” zählt, also schon etwas länger her und damit längst verjährt ist. Damals verbrachte ich meine Ostern in Kiel. Ich mag Kiel, die Leute dort sind irgendwie nett und obwohl man manchmal nicht versteht was sie sagen oder wollen und ich in meiner Kindheit oder Jugend niemals dort war, hab ich ganz doll heimatliche Gefühle für die Stadt. Vielleicht zieh ich da ja mal hin, wenn ich alt und grau lila bin und verbringe meine Rente da. Vielleicht bin ich dann aber auch in Bremen, Hiddenhausen oder auf Malle. Genau hab ich mich noch nicht entschlossen.

Es begab sich zu jener Zeit, da war ich noch Mitglied in diesem Verein, in dem Männer komische Kleider tragen und Frauen immer die Schnauze halten müssen…
An jenem vergangenen Karfreitag, an dem die kieler Katholikenschaft in diasporakatastrophlen Zuständen (resultierend in überfüllten Kirchen!) dem Todestag Jesu Christi gedenkt wachte ich bei einem sehr guten Freund, den ich damals für ein paar Tage besuchte, nachdem mein damaliger Freund mit einer SMS mit mir Schluss gemacht hatte und…(aber das ist eine andere Geschichte) beim penetranten Weckerklingeln ziemlich übernächtigt und mit einem Kater von der Größe von Australien auf. Mei, das war am Vortag eben ein bisschen länger und damals war ich jung und wild. Heute bin ich ja nur noch und. Wir frühstückten erstmal und versuchten seinem Mitbewohner (anerkannter Spitzname “der Arsch”) aus dem Weg zu gehen.

  • Fehler Nummer eins: Salamikonsum!

Wir mussten uns sehr beeilen den Bus zur Innenstadt zu erwischen und rannten das Letzte Stück noch in die Kirche…

  • Fehler Nummer zwei: zur Messe spät kommen
  • Fehelr Nummer drei: penetrant nach Weihwasser suchen
  • Fehler Nummer vier: scheinbar auf “reservierten Stammplätzen” sitzen wollen sich zu erdreisten (Die kieler Katholiken scheinen ihre kirchliche Führungsriege mit eigenen Bänken zu entlohnen, und jeder weiß das scheinbar, denn da stand nix drauf)
  • Fehler Nummer fünf: so nett sein und die Plätze wieder räumen
  • Fehler Nummer sechs: stehen müssen, weil man so lange gefrühstückt hatte
  • Fehler Nummer sieben: überhaupt etwas gefrühstückt zu haben (Verzicht vor der Messe roqued doch!)
  • Fehler Nummer acht: direkt nach der Messe erst in einen Sexshop und später in eine Spielhalle zu gehen und sich kein Stück dafür zu schämen, das erste Bier schon vor 11 Uhr zu trinken.

So, nun bin ich ja aus der Kirche ausgetreten und in meinem Kühlschrank liegt immer noch das Stück Rinderfiliet. Ich glaub ich hab meine Entscheidung getroffen. *hmmmjam*
So long,

Euer schaezle

Kaffeekasse

Tag der Vergessenen

28. Dec 2009 Autor: schaezle | Abgelegt in: Brot, täglich, Hirnfick & Menstruationslyrik, best before

Seit je her gilt Silvester für mich als einer der miesesten Tage des Jahres. Meine Idealvorstellung eines solchen Tages war seit Ewigkeiten eigentlich folgende:

man sitzt mit lieben Freunden in weinseeliger Runde und spielt Gesellschaftsspiele. Um Mitternacht kippt man sich ein Glas Witwenwasser hinter die Binde, wirft einen Scheit Holz in den offenen Kamin und widmet sich wieder dem Spieletisch. Irgendwann zu später Stunde wirft man seine lieben Freunde raus, raucht eine türkische Zigarette, zieht sich nackt aus und entspannt noch ein bisschen vorm offenem Feuer, gefolgt von Ausschlafen und einem späten Frühstück mit dem perfekten Ei.

Tja.

Anzahl der Jahre, die auch nur im entferntesten da ran gekommen sind: null. Nur einmal war eine Art von Spieleabend angesagt worden, jedoch wurde dann gar nicht gespielt. Ich denke das war Silvester 2001(?) und auch da wurde weder gekocht noch gegessen (weil die offene Küche ja immer Gerüche im Wohnzimmer verursacht) und um halb 2 Uhr musste ich nüchtern 30 km heimfahren, weil die fremden Leute, zu denen meine damaligen Freunde mich zwangen ja wegen den Kindern früh raus mussten. Wenn ich daran denke, dass dieser Abend damals vor vielen vielen Jahren meiner Idealvorstellung von Silvester bislang immer noch am nähesten kam, muss ich wirklich schmunzeln.

Silvester 2005 zum Beispiel war schlimm. Auf Einladung zu einer Party zu mir kam keine Sau und zudem saß ich in Eichstätt fest. Enziges Highlight war mein neuer batteriebetriebener Leuchtgürtel, der in Reihe Botschaften an die Welt sendete: Fiat Lux!

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Silvester 2004 denke ich war sogar noch ein Stückchen trostloser. Völlig pleite feierte ich mit einer Flasche billigem Wein und einer TK Pizza bei der im öffentlich Rechtlichen übertragenen “Andé Rieu Silvestergala” ins neue Jahr. Ich glaube ich habe vor Selbstmitleid geweint.

Silvester 2007 gehört noch zu den lustigeren seiner Art. Eine Gruppe von Freunden und ein Raucherzimmer. Das Zünden einer einzigen Rakete und die Rückkehr in die Wohnung. Kein Spiel in Sicht und die Klamotten mussten aus Sicherheitsgründen am Tag danach verbrannt werden. Eine Bekannte sprach mich letzte Woche auf den Tag an, ich sei damals wohl ein bisschen neben mir gestanden. Kein Wunder, ich glaube ich habe damals grade den 12 Tag gefastet oder so ähnlich.

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Silvester 2006 war ein Desaster. Zwar fing alles ganz nett an, doch mit einer Beziehung, die so am Ende ist, dass man nichtmal zusammen auf eine Party gehen kann ohne von Freunden auf ungläube Fragen wie “Warum der?!” in Tränen auszubrechen. Ausserdem landete ich wegen diesem Abend monate später noch bei der Polizei, aber das ist eine andere Geschichte.

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Silvester 2008 feierte ich mit Al und 20 mir bis dahin völlig fremden Menschen. An sich eine recht coole Party. Es lief Schranz mit 124 dB(A). Bedenkt man aber die Anzahl der Haustiere und kombiniert diese scharf mit meiner Tierhaarallergie und der Tatsache, dass ich seit Ende der 90er Jahre kein Techno mehr höre, findet man leicht den Grund dafür, dass ich mich 5 nach 12 zum Schlafen ins Nebenzimmer verabschiedet habe. Und schlafen in fremden Betten ist etwas, was ich überhaupt nicht mag.

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An andere Silvester ausser mein Silvester 1995 kann ich mich nicht mehr erinnern. Silvester 1995 hatte ich nämlich meinen ersten Freund und somit mein erstes Silvester mit Kusspotential. Wir stritten uns damals, ob wir zu seinen oder meinen Freunden gehen sollten. Ich kann mich erinnern, dass wir dann bei beiden Parties auftauchten und sowohl meine, als auch seine Freunde jeweils ein bisschen sauer waren. Die konnten sich nämlich nicht leiden. Jedenfalls trug ich damals ein kurzes dunkelblaues Jerseykleid, hohe Schnürstiefel, Netzstrümpfe und darüber ein kleines Strickjäckchen. Es war sehr kalt, aber ich sah sehr gut aus. Komisch dass das fast das einzige ist, an das ich mich gut erinnern kann. Mein Gott muss ich eine oberflächliche, egositische und egozentrierte Person sein.

Kein Scherz, die anderen Erinnerungen sind komplett ausgelöscht und ein kleiner Blick in meine geliebten Fotokisten hat nur Silvester 1999 (aufs Jahr 2000) ausgespuckt. Da war ich nämlich inmitten tausender Menschen und duckte mich regelmäßig, um nicht mit Raketenangefackelten Haaren und Brandwunden im Gesicht noch im Krankenhaus zu landen.

Aber nun bin ich ein bisschen abgeschwiffen. (sagt man da noch abgeschweift? Hört sich so pferdemäßig an). Heute werde ich meine Idealvorstellung von Silvester begraben. Ich lass es einfach auf mich zukommen. Vor einigen Wochen spielte ich noch mit dem Gedanken eine große Party bei mir zu hause zu feiern. Nachdem meine Halloweenparty aber weniger erfolgreich verlief (um 5 Uhr war schon Schluss!) und ich trotzdem 12 Stunden zum aufräumen gebraucht habe, hab ich den Gedanken an Silvesterparty beim schaezle ganz schnell wieder verdrängt.

Wie es heute ausschaut, haben sich nun ein paar Freunde und Bekannte auf Silvester zu mir nach hause eingeladen. Fragt nicht, wie das genau passiert ist. Mindestens eine davon hasst Spiele und es werden immer mehr Menschen, die bei mir um Silversterobdach bitten. Den Satz “kann ich noch jemanden mitbringen” habe ich auch schon ein paar Mal gehört.
Was ist eigentlich mit mir? Werde ich alle einsamen, lustlosen oder finanziell schlechter gestellten Menschen mit Silvesterallergie und ohne Plan zu mir nach hause einladen und dann für sie ein spitzen Partyamusementprogramm mit Vollverpflegung anbieten? Kann ich nicht bitte einfach die oberflächliche, egositische und egozentrierte Person sein für die mich sowieso alle Welt hält? Hmmm…
So long,
Euer schaezle

Kaffeekasse

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